20.August 2008
Irgendwie ein komischer Tag. Leider auch für unsere Hockeymädels, die ausgerechnet heute im olympischen Halbfinale standen.
Vor nun mehr einem Jahr hat sich mein Leben schlagartig von Grund auf geändert. Auf einer unbedeutenden Landstrasse nahe der hölländischen Grenze kam ich mit meinem Wagen von der Strasse ab und wachte Stunden später in einem holländischen Krankenzimmer wieder auf. Es schauten mich unzählige mir bekannte und unbekannte Gesichter gespannt an. Was mit mir geschehen war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht so richig sagen. Oder besser, ich kann mich einfach nicht mehr so genau an meine Gedanken in diesen Minuten erinnern. Die Gesichter meiner Eltern sahen sehr bestürzt aus, die Augen waren mit Tränen gefüllt.Viele aufmerksame und sehr sehr freundliche Schwestern wuselten umher. Ärzte schauten düster drein. Diagnose: Querschnittlähmung. Über das Ausmaß dieser Diagnose war ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewußt. Ich spürte meine Beine nicht mehr; einen Blick unter die Bettdecke wagte ich jedoch nicht.
Ich war am Ende der besagten Landstrasse am Montag letzten Jahres mit meinen Eltern verabredet und wollte gemeinsam mit Ihnen den 65. Geburtstag meines Vaters begehen. Nun ist dieser Feiertag leider überschattet von einem Ereignis ganz anderer Qualität.
Wie wird es mir heute gehen, 20. August 08? Wie werde ich mich fühlen; hab ich mich oft in den vorangegangenen Nächten gefragt. Was wirst Du tun?
Eine wunderbare Ablenkung, unsere Damen-Hockeynationalmannschaft spielt um den Einzug ins olympische Final. Und erfreulicher Weise wird das Spiel sogar live im deutschen Fenrsehen übertragen.
13.30. Uhr
Leider ist es den Mädels nicht gelungen, wie im olympischen Halbfinale vor 4 Jahren die Chinesen zu besiegen. Viele entäuschte Gesichter konnte man sehen. Doch das Aufbäumen der Schlussphase des Spieles hat nicht gereicht. Ein sehr bitterer Moment für alle Akteure. Kopf hoch Mädels (ich weiß das klingt so einfach)!
Doch Mädels eine Medallie ist noch immer greifbar. Und die werdet Ihr euch holen!! Versprochen:-).
Aber auch jetzt sind alle furtchbar stolz auf Euch und alles was Ihr geleistet habt….und es geht immer weiter.
Ja, Ja es geht immer weiter. Das kann ich mit Blick zurück nur bekräftigen. Es liegt zwar noch ein ungeheuer langer Weg vor mir, doch habe ich schon viel erreicht:-) Schub für Schub….
Vergangenen Woche erreichte mich der erfreuliche Anruf der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten (FGQ), dass die Gemeinschaft nach Prüfung meines Antrags, mir ein Fahrzeug aus Ihrem Fahrzeugpool zur Verfügung stellen möchte.
Wow, ein echt gutes Gefühl und ein riesen Schritt in Richtung Selbstständigkeit ist mir dadurch ermöglicht wurden. Ich weiß nicht ob Ihr Euch das vorstellen könnt, aber es fühlt sich toll an, in gewisser Weise wieder gleichberechtigt, in der Gesellschaft da draußen unterwegs sein zu können.
Zuvor mußte ich bei einem technischen Gutachter meine Fahrtauglichkeit unter den veränderten Bedingungen und auf einem umgebauten Fahrzeug unter Beweis stellen.
Michi back on the road:-). Aber nicht nur das. Auch in die Fluten des heimischen Pools habe ich mich schon gestürzt und die Leipziger City unsicher gemacht. Abenteuer Deutsche Bahn und eine Jungfernfahrt unter haarstreubenden Witterungsbedingungen. Erfreuliche und aber auch sehr schmerzvolle Begegnungen und Empfindungen gehabt in den ersten Wochen in der “Freiheit”.
… nun wird doch noch ein bischen Geburtstag gefeiert.
Meine Kolumne an dieser Stelle geht weiter und ich würde mich freuen, wenn Ihr dabei bleibt:-). Feedback willkommen:-)
Ahoi aus Leipzig.
Eure Michi:-)